Kleine PfinGstspiele
23. und 24. Mai 2021
Zu Pfingsten verschlug es uns noch einmal ins Basislager.
Wir zeigten am Pfingstsonntagabend um 20:00 Uhr im Wäldchen für ein kleines Publikum Milo Raus Film «Das Neue Evangelium», umrahmt von einer Lesung von der schweizerisch-rumänischen Autorin Dana Grigorcea, die zusammen mit Wanda Wylowa ihr neues Buch «Die nicht sterben» vorstellte.
Am Pfingstmontag fand um 17:00 Uhr eine Lesung von Meral Kureyshi im Gespräch mit Raphael Urweider statt, wir führten eine Diskussionrunde zum Thema #allesdichtmachen und wir zeigten einen weiteren Schweizer Spielfilm: «Moskau Einfach!» von Micha Lewinsky.
Zu dieser pandemischen Zeit erachteten wir die Kooperation von Kultur und Eventtechnik als unabdingbar, weshalb wir auch eng mit Technikanbietern zusammenarbeiteten. So unterstützen uns bei diesenAnlässen wie gewohnt Sennheiser mit ihrem Funksystem und neu auch die Event AG mit einem LED Screen. Im pandemischen Fussball-WM Sommer orientierten wir uns nun am Beispiel der Kulturmetropole New York. Wir forderten eine neue Hochblüte der Kultur: Unserer Meinung nach sollten überall Eventscreens aus dem Boden wachsen, wie riesige Monumente.
Zeitplan
Pfingstsonntag, 23. Mai 2021
17:00 Uhr: Lesung und Gespräch von und mit Dana Grigorcea und Wanda Wylowa
18:30 Uhr: Suppe im Transit
19:45 Uhr: Einführung in «Das Neue Evangelium»
20:00 Uhr: Film Screening von «Das Neue Evangelium»
Pfingstmontag, 24. Mai 2021
17:00 Uhr: Lesung und Gespräch von und mit Meral Kureyshi und Raphael Urweider
18:30 Uhr Diskussionsrunde #allesdichtmachen
20:00 Uhr Filmscreening von «Moskau Einfach»
Auch diese Anlässe konnten mit genügend Abstand besucht werden. Mit unserem Funksystem und unseren kabellosen Kopfhörern konnten Besucher:innen live und virus-sicher dabei sein und sich während des Konzerts auch bewegen.
Wir beobachteten die Öffnungsstrategie des Bundes weiterhin mit Vorsicht und vermieden immer noch Menschenansammlungen.
Da die Anzahl des Publikums begrenzt war, baten wir um eine kurze Voranmeldung zum Reservieren der Kopfhörer.
Wer nicht vor Ort dabei sein konnte oder wollte, konnte sicher Live-Stream auch von zu Hause aus zuschalten.
#allesdichtmachen
Das Swiss Fiction Movement (SFM) verlangte 2021 die Absetzung des Zürcher Filmstiftung Fast Track Juroren Dietrich Brüggemann, der einige der #allesdichtmachen Clips inszeniert hatte und als Kopf der Aktion in den Medien auftritt. Die Schweizer Filmszene reagierte mit Empörung. Die Forderung des SFM wurde u.a. von Eric Bergkraut kritisiert, dem Regisseur des fantastischen Dokfilms «Service Inbegriffe» (u.a. über unser geliebtes Transit-Restaurant). Das SFM wurde der „Cancel Culture" bezichtigt. Nur: Ist die Forderung nach Absetzung von Brüggemann als Juror wirklich „Cancel Culture"? Oder ist es eine berechtigte Forderung, die verhindern soll, dass Brüggemann kritische Regisseur:innen canceln kann? Oder sollte man gar einen anderen Weg gehen – und beispielsweise Dietrich Brüggemann sogar uraufführen, so wie es das Maison du Futur Partnertheater Theater Winkelwiese mit der Uraufführung des Theaterstücks «Vater» machte?
Wir debattieren. Das Maison du Futur stellte eine Diskussionsrunde aus Schweizer Filmemacher:innen, Schauspieler:innen und Theaterregisseur:innen und Autor:innen zusammen.
Milo Rau
Als Regisseur und Intendant schafft Milo Rau ein einzigartiges Theater, das konsequent die Grenzen zwischen Kunst, kritischem Kommentar und politischer Intervention verwischt und immer wieder kontroverse öffentliche Debatten auslöst. Unablässig entwickelt er neue Formate zwischen Theater, Film und Diskurs und arbeitet mit Aktivist:innen und Laien auf der ganzen Welt zusammen, um in drängende politische Konflikte einzugreifen. So versammelte Rau 2015 im kongolesischen Bürgerkriegsgebiet 60 Zeug:innen und Expert:innen zu einem Kongo Tribunal. Als sich die Corona-Krise zur weltweiten Pandemie entwickelte, befand er sich mit seinem Team und indigenen Umweltaktivist:innen im brasilianischen Regenwald für Proben von «Antigone im Amazonas». 2007 gründete er das IIPM – International Institute of Political Murder. Rau erhielt für sein Werk zahlreiche Preise, u.a. 2016 den Preis des Internationalen Theaterinstituts, 2018 den Europäischen Theaterpreis und 2021 den Schweizer Filmpreis für «Das Neue Evangelium». Er ist seit 2018 Intendant des Niederländischen Theaters Gent.
Micha Lewinksy
Micha Lewinsky, 1972 in Kessel geboren, arbeitet seit 2000 als Drehbuchautor und ist seit 2005 auch als Filmregisseur tätig. Für seinen Film «Der Freund» gewann er in der Kategorie «Bester Spielfilm» den Schweizer Filmpreis 2008. In der Folge wurde der Film als Schweizer Beitrag für den Academy Award 2009 in der Kategorie «Best Foreign Language Film» eingereicht. «Die Standesbeamtin» reüssierte 2009 im Kino im ganzen deutschsprachigen Raum. Der Film «Nichts passiert» wurde 2016 mit dem Filmpreis für das beste Drehbuch ausgezeichnet. Sein Spielfilm «Moskau Einfach!» über die Schweizer Fichenaffäre eröffnete am 22. Januar 2020 die 55. Solothurner Filmtage.
Dana Girgorcea
Dana Grigorcea wurde 1979 in Bukarest geboren. Sie ist eine schweizerisch-rumänische Schriftstellerin und Philologin. Grigorcea studierte Germanistik und Nederlandistik und lebt seit vielen Jahren mit ihrem Mann, dem Schriftsteller Perikles Monioudis, in Zürich. Sie haben eine Tochter und einen Sohn. Dana Grigorcea reist öfter zu Lesungen und Vorträgen durch Europa und auch Übersee. Sie schreibt nach wie vor Reportagen und Essays, etwa für die Frankfurter Allgemeine oder die Neue Zürcher Zeitung. Außerdem schreibt sie Kolumnen, für das Magazin des Opernhauses Zürich oder oder die Deutsche Welle. Die Werke der rumänisch-schweizerischen Schriftstellerin, etwa der Roman »Das primäre Gefühl der Schuldlosigkeit« und die Novelle »Die Dame mit dem maghrebinischen Hündchen«, wurden in mehrere Sprachen übersetzt und sie wurde vielfach ausgezeichnet, u.a. mit der Ehrengabe der Stadt Zürich (2011 und 2015), der Ehrengabe des Kantons Zürich (2011), der Schweizer Literaturperle (2011), dem Werkjahr der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia (2017) und dem 3sat-Preis im Rahmen des Ingeborg-Bachmann-Preises 2015. Sie war auf der Shortlist zum Schweizer Buchpreis (2015) und zum Literaturpreis des Wirtschaftskreises der deutschen Wirtschaft (2015).
Meral Kureyshi
Meral Kureyshi, geboren 1983 in Prizren im ehemaligen Jugoslawien, kam 1992 mit ihrer Familie in die Schweiz und lebt in Bern. Sie studierte Literatur und Germanistik, gründete das Lyrikatelier und arbeitet als freie Autorin. Ihr erster Roman «Elefanten im Garten» war nominiert für den Schweizer Buchpreis, wurde mehrfach ausgezeichnet und in viele Sprachen übersetzt. Ihr zweiter Roman «Fünf Jahrezeiten» wurde im Manuskript ausgezeichnet mit dem Literaturpreis Das zweite Buch der Marianne und Curt Dienemann Stiftung. 2020 wurde sie zu den Tagen der Deutschsprachigen Literatur nach Klagenfurt eingeladen (Bachmannpreis).
Wanda Wylowa
Nach der Matura besuchte Wanda Wylowa die Theaterhochschule in Zürich. Seit 1999 ist sie Mitglied von 400asa. Als Darstellerin arbeitete sie mit Meret Matter, Ruedi Häusermann, Tim Zulauf und Samuel Schwarz zusammen. Sie war u.a. am Schauspielhaus Zürich, am Theater Basel, an der Bayerischen Staatsoper München engagiert und gab u.a. Gastspiele an der Volksbühne Berlin. Sie spielte in Schweizer Filmen u.a. als Hauptrolle in den Kinofilmen «Ferienfieber» (2004), «Strangers» (2016) und «Die fruchtbaren Jahre sind vorbei» (2019). Wylowa spielte in den SRF Fernsehproduktionen «Tatort», «Bestatter», «Lüthi und Blanc», «Friends» sowie «Deville Late Night». 2014 gewann sie den Schweizer Fernsehfilmpreis als beste Nebendarstellerin für «Der Hamster». Wylowa wirkte im Transmedia-Projekt und Kinofilm «Der Polder» (2012) und bei «Antigone» an der Gessnerallee mit (Regie: Ann Liv Young). 2017/2019 war sie im Hauptcast der SRF-Serie «Seitentriebe» (Güzin Kar).
Raphael Urweider
Der Sohn des reformierten Pfarrers und Schriftstellers Andreas Urweider wuchs in Schattenhalb auf und besuchte die Schule in Biel. Nach dem Abitur studierte er Germanistik und Philosophie an der Universität Fribourg. Er lebt heute in Bern. Urweider ist Lyriker, der auch als Musiker und Rapper (etwa mit der HipHop-Gruppe L'Deep als Bidrmaa) auftritt und in seinen Texten häufig von unterschiedlichsten sprachspielerischen Techniken Gebrauch macht. Mit Samuel Schwarz verfasste er zwei Theaterstücke, die am Maxim-Gorki-Theater und am Hamburger Schauspielhaus zur Uraufführung gelangten. Urweider ist seit 2008 Ko-Leiter des Schlachthaus Theater Bern. Er ist Preisträger des Leonce-und-Lena-Preises, des Buchpreises des Kantons Bern, der Schweizerischen Schillerstiftung, des Förderpreises zum Bremer Literaturpreis, des 3sat-Preises beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb, des Buchpreises der Stadt Bern, des Clemens Brentano-Preises und des Literaturpreises des Kantons Bern.